Inhalt

  1. Zwei Systeme, zwei Ansätze
  2. Kosten im Vergleich
  3. Die versteckten Kosten beim WDVS
  4. Aufwand und Bauzeit
  5. Die ersten Zentimeter bringen am meisten
  6. Was passt zu welchem Haus?
  7. Beides kombinieren?
  8. Fazit

Beide Verfahren haben dasselbe Ziel: weniger Wärmeverlust über die Außenwand. Aber sie gehen völlig unterschiedlich vor – und das wirkt sich stark auf Kosten, Aufwand und Eignung aus.

Zwei Systeme, zwei Ansätze

Die Einblasdämmung (Kerndämmung) nutzt einen bereits vorhandenen Hohlraum: Bei einem zweischaligen Mauerwerk liegt zwischen der Klinkerfassade und der tragenden Innenwand eine Luftschicht. Diese wird über kleine Bohrlöcher mit Dämmstoff gefüllt. Die Fassade selbst bleibt unverändert.

Das Wärmedämmverbundsystem (WDVS) wird dagegen komplett neu auf die bestehende Fassade aufgebaut: Dämmplatten werden aufgeklebt und gedübelt, darüber kommen Armierung und Putz. Die Fassade wird dadurch dicker und bekommt eine neue Oberfläche.

Kosten im Vergleich

Hier liegt der größte Unterschied. Weil die Einblasdämmung den vorhandenen Hohlraum nutzt und keine Gerüste, Platten oder neuen Putz braucht, ist sie um ein Vielfaches günstiger:

In konkreten Summen wird der Unterschied noch deutlicher: Eine Einblasdämmung für ein typisches Einfamilienhaus liegt häufig im Bereich von rund 3.000 bis 7.000 €. Ein komplettes WDVS für dasselbe Haus kostet dagegen oft 25.000 bis 40.000 € – also das Fünf- bis Zehnfache. Beide Maßnahmen sind grundsätzlich förderfähig, doch die Förderung ändert nichts am grundsätzlichen Preisverhältnis.

Warum der große Preisunterschied?

Die Einblasdämmung füllt einen Hohlraum, der schon da ist – das ist in Stunden erledigt. Beim WDVS wird dagegen eine komplett neue Dämmschicht samt Putz auf die Fassade gebaut: Gerüst, Material, Arbeitszeit und Wetterabhängigkeit treiben den Preis. Tatsächlich entfallen beim WDVS rund 55 bis 65 Prozent der Kosten allein auf Arbeitslohn und Gerüst. Sie zahlen also auch für eine komplett neue Fassadenoberfläche mit.

Die versteckten Kosten beim WDVS

Was viele unterschätzen: Beim WDVS wird die Fassade mehrere Zentimeter dicker. Dadurch passen viele bestehende Bauteile plötzlich nicht mehr – und müssen angepasst oder erneuert werden. Diese Posten tauchen in günstig wirkenden Angeboten oft gar nicht auf und kommen später als Nachtrag. Typische Zusatzarbeiten sind:

In der Summe können diese Nebenarbeiten das WDVS-Projekt schnell um mehrere tausend Euro verteuern. Bei der Einblasdämmung entfällt all das: Die Fassade bleibt, wie sie ist – nur kleine Bohrlöcher, die farblich passend wieder verschlossen werden. Dachüberstand, Fensterbänke, Pflaster und Anbauten bleiben unberührt.

Aufwand und Bauzeit

Auch beim Aufwand trennen sich die Wege deutlich:

Die ersten Zentimeter bringen am meisten

Ein Punkt, der bei der Kostenfrage oft übersehen wird – und der entscheidend ist: Dämmung folgt dem Gesetz des abnehmenden Nutzens. Die ersten Zentimeter senken den Wärmeverlust dramatisch, jeder weitere Zentimeter bringt prozentual immer weniger. Das lässt sich mit dem sogenannten U-Wert (er beschreibt den Wärmeverlust einer Wand) sogar in Zahlen fassen.

Ein anschauliches Rechenbeispiel aus der Bauphysik: Gegenüber einer ungedämmten Wand verbessern bereits die ersten 10 cm Dämmung den U-Wert um rund 86 %. Verdoppelt man die Dämmung auf 20 cm, kommen aber nur noch etwa 6 % zusätzlich hinzu. Und von 20 auf 30 cm sind es sogar nur noch rund 2 %. Anders gesagt: Der größte Teil des Effekts ist schon mit den ersten Zentimetern erreicht.

Was das für Ihre Entscheidung bedeutet

Eine Einblasdämmung füllt den vorhandenen Hohlraum (oft 6–12 cm) komplett – und holt damit genau den Bereich ab, in dem die Dämmung am wirksamsten ist. Ein dickes WDVS mit 16, 20 oder mehr Zentimetern kostet ein Vielfaches, bringt für die zusätzlichen Zentimeter aber nur noch einen kleinen Restgewinn. Für viele Häuser gilt deshalb: Die günstige Einblasdämmung sichert den Löwenanteil der möglichen Ersparnis, während sich die hohen Mehrkosten eines WDVS für die letzten Prozente energetisch kaum rechnen.

Wichtig zur Einordnung: Bei einem zweischaligen Mauerwerk muss die Hohlschicht ohnehin zuerst gefüllt werden, damit ein WDVS überhaupt voll wirkt. Wer also bereits einen Hohlraum hat, fährt mit der Kerndämmung fast immer am wirtschaftlichsten – sie bietet das mit Abstand beste Verhältnis von Kosten zu eingesparter Energie.

Was passt zu welchem Haus?

Die entscheidende Frage ist: Hat Ihre Außenwand einen Hohlraum?

Beides kombinieren?

Ja, das ist möglich – und manchmal sinnvoll. Bei einem zweischaligen Mauerwerk gilt: Zuerst die Hohlschicht per Kerndämmung füllen. Das ist immer der erste Schritt, weil eine ungefüllte Luftschicht die Wirkung eines außen aufgebrachten WDVS einschränken würde. Reicht die Dämmwirkung später nicht aus oder steht ohnehin eine Fassadensanierung an, kann ein WDVS zusätzlich aufgebracht werden. Wichtig: Mit der Kerndämmung verbauen Sie sich diesen späteren Weg nicht.

Die richtige Reihenfolge

Bei zweischaligem Mauerwerk ist die Kerndämmung immer die erste Maßnahme. Sie holt mit geringem Aufwand den größten Teil der möglichen Einsparung heraus – und lässt sich jederzeit durch weitere Schritte ergänzen.

Fazit

Wenn Ihr Haus eine Hohlschicht hat, ist die Einblasdämmung in fast allen Fällen die bessere Wahl: deutlich günstiger, an einem Tag erledigt und ohne große Baustelle. Ein WDVS spielt seine Stärken dort aus, wo es keinen Hohlraum gibt oder die Fassade ohnehin saniert werden muss. Welcher Weg für Ihr Haus der richtige ist, klären wir bei einer Vor-Ort-Begutachtung – ehrlich und ohne Sie in eine teurere Lösung zu drängen.

Welche Dämmung passt zu Ihrer Fassade?

Wir prüfen vor Ort, ob Ihr Haus eine Hohlschicht hat, und empfehlen Ihnen die wirtschaftlichste Lösung. Als Malermeisterbetrieb setzen wir die Fassade auf Wunsch auch gleich wieder instand.

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